Smart Metering6 Min. Lesezeitvon Bluu Energy

CLS-Schnittstelle erklärt

Die CLS-Schnittstelle macht das Smart Meter Gateway zum Steuerungswerkzeug und ist damit die technische Grundlage der netzorientierten Steuerung nach §14a EnWG. Dieser Beitrag erklärt, wie der transparente Kanal funktioniert, welche Rollen beteiligt sind und wie ein Steuerbefehl den Weg vom Netzbetreiber bis zur Anlage findet.

Was die CLS-Schnittstelle ist

CLS steht für „Controllable Local Systems": steuerbare lokale Systeme, die am Smart Meter Gateway über dessen HAN-Schnittstelle angebunden werden. Das Spektrum reicht von der Steuerbox für §14a über Submetering-Gateways bis zu Kommunikationseinheiten von Erzeugungsanlagen. Gemeinsam ist ihnen: Sie sitzen hinter dem Gateway in der Liegenschaft und brauchen eine gesicherte Verbindung zu einem System außerhalb.

Wichtig für das Verständnis: Die CLS-Schnittstelle ist kein Steuerprotokoll. Sie ist der physische und logische Anschlusspunkt, über den das Gateway eine Kommunikationsstrecke bereitstellt. Was darüber gesprochen wird, entscheiden die angeschlossenen Systeme.

Der transparente Kanal: das SMGW als Vermittler

Technisch stellt das Gateway einen sogenannten transparenten Kanal bereit, in der BSI-Terminologie einen TLS-Proxy-Kanal. Das Gateway vermittelt dabei eine verschlüsselte Verbindung zwischen dem CLS-Gerät im HAN und einem berechtigten externen System im WAN. Den Inhalt der Kommunikation interpretiert es nicht, daher „transparent": Es reicht die Daten durch, sichert aber Aufbau, Authentisierung und Verschlüsselung der Strecke ab.

Konfiguriert wird der Kanal ausschließlich vom Gateway-Administrator. Er legt in Kommunikationsprofilen fest, welches CLS-Gerät mit welchem externen System sprechen darf. Ein beliebiger Zugriff aus dem Internet auf die Anlagentechnik ist damit ausgeschlossen: Ohne konfiguriertes Profil existiert der Kanal schlicht nicht.

Die Rollen: EMT und aEMT

Am WAN-Ende des Kanals steht ein externer Marktteilnehmer (EMT). Die Unterscheidung, die im Projektalltag zählt:

BegriffBedeutung
CLSSteuerbares lokales System im HAN des Gateways, etwa eine Steuerbox
Transparenter KanalVom Gateway vermittelte, TLS-gesicherte Verbindung zwischen CLS-Gerät und externem System
Passiver EMTEmpfängt Messwerte aus dem Gateway, greift aber nicht in die Liegenschaft ein
Aktiver EMT (aEMT)Kommuniziert über den CLS-Kanal aktiv mit Geräten, etwa für Steuerbefehle; benötigt ein zertifiziertes ISMS nach ISO/IEC 27001 oder IT-Grundschutz
SteuerboxCLS-Gerät nach FNN-Lastenheft, das Steuerbefehle in Schalt- und Begrenzungssignale für Anlagen übersetzt

Für CLS-Produkte, die über den transparenten Kanal kommunizieren, hat das BSI mit der TR-03109-5 zudem eine eigene Technische Richtlinie geschaffen, die Anforderungen an solche Kommunikationsadapter beschreibt (Stand: Juli 2026). Wer eine Steuerbox-Infrastruktur plant, sollte die Zertifizierungslage der Geräte deshalb früh prüfen.

Die Steuerkette nach §14a

Mit §14a EnWG müssen Netzbetreiber steuerbare Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpen und Wallboxen bei drohender Überlastung netzorientiert dimmen können. Die CLS-Schnittstelle liefert dafür den sicheren Transportweg. Vereinfacht läuft ein Steuerfall so ab:

  1. Engpass erkennen Der Netzbetreiber stellt eine drohende Überlastung in seinem Netzgebiet fest und ermittelt den Steuerbedarf.
  2. Befehl auslösen Sein Steuerungssystem, betrieben als aEMT oder über einen Dienstleister in dieser Rolle, adressiert die betroffenen Anlagen.
  3. Kanal durchlaufen Der Befehl geht über das WAN an das Gateway und durch den transparenten Kanal an die Steuerbox in der Liegenschaft.
  4. Umsetzen und quittieren Die Steuerbox setzt die Leistungsbegrenzung um, direkt an der Anlage oder über ein Energiemanagementsystem, und meldet den Vollzug zurück.

Innerhalb des Gebäudes übernimmt häufig ein Standard wie EEBUS die Verteilung der Begrenzung auf einzelne Geräte. Die regulatorische Logik des Dimmens, inklusive der Mindestleistung, die Anlagen behalten müssen, erklärt der Beitrag Netzorientierte Steuerung (Dimmen) nach §14a.

Was das für MSB und Netzbetreiber bedeutet

Für Messstellenbetreiber ist CLS ein Geschäftsfeld: Der Kanal entsteht nur dort, wo ein intelligentes Messsystem verbaut ist, und seine Einrichtung ist eine Dienstleistung, die über den reinen Messbetrieb hinausgeht. Der Rollout-Fortschritt bestimmt damit direkt, wie viele Anschlusspunkte überhaupt steuerbar sind; den Stand fasst der Beitrag zum Smart-Meter-Rollout zusammen. Netzbetreiber wiederum müssen entscheiden, ob sie die aEMT-Rolle selbst aufbauen oder einkaufen, eine Frage mit ähnlicher Tragweite wie die Make-or-Buy-Entscheidung bei der Gateway-Administration.

Der CLS-Kanal verwandelt das intelligente Messsystem von einer Ablese- in eine Steuerungsinfrastruktur – und macht es damit zu einem Stück kritischer Infrastruktur.

Häufige Fragen

Die Schnittstelle ist der Anschlusspunkt am Gateway im HAN, der Kanal die konkret konfigurierte, TLS-gesicherte Verbindung zwischen einem CLS-Gerät und einem externen System. Eine Schnittstelle kann mehrere Kanäle zu unterschiedlichen Partnern tragen.
Nur ein aktiver externer Marktteilnehmer (aEMT), dessen Kanal der Gateway-Administrator konfiguriert hat. Die Rolle setzt ein zertifiziertes Informationssicherheits-Managementsystem voraus; im §14a-Fall steht dahinter der Netzbetreiber oder sein Dienstleister.
Nein. Üblich ist eine Steuerbox oder ein Energiemanagementsystem je Anschlusspunkt, das die Begrenzung lokal auf die Geräte verteilt, etwa über EEBUS. Das einzelne Gerät hängt also selten direkt am Gateway.
Nein, der Kanal ist transparent: Das Gateway sichert Aufbau und Verschlüsselung der Verbindung, interpretiert die Inhalte aber nicht. Die fachliche Verantwortung für die Steuerlogik liegt beim aEMT und den angebundenen Systemen.

Das Wichtigste in Kürze

  • CLS (Controllable Local Systems) ist der Anschlusspunkt für steuerbare Systeme am HAN des Smart Meter Gateways.
  • Das Gateway stellt einen transparenten, TLS-gesicherten Kanal bereit; Inhalte interpretiert es nicht.
  • Kanäle existieren nur, wenn der Gateway-Administrator sie konfiguriert hat; steuern darf allein ein zertifizierter aEMT.
  • Für §14a läuft die Kette: Netzbetreiber → aEMT-System → Gateway → Steuerbox → Anlage bzw. Energiemanagement.
  • BSI TR-03109-5 und das FNN-Lastenheft Steuerbox setzen den Rahmen für CLS-Geräte am transparenten Kanal.

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