Marktkommunikation7 Min. Lesezeitvon Bluu Team

MaLo-ID, MeLo-ID & MP-ID: die Codenummern der Marktkommunikation

Ohne eindeutige Kennungen funktioniert kein Datenaustausch: MaLo-ID, MeLo-ID und MP-ID sind die Codenummern, die jede Nachricht der Marktkommunikation adressierbar machen. Dieser Beitrag erklärt Aufbau, Prüfziffer und Vergabe der drei Identifikatoren und zeigt die Verwechslungsfälle, die in der Praxis am häufigsten zu Klärfällen führen. Stand: Juli 2026.

Warum es mehrere IDs braucht

Mit der Marktkommunikation 2020 wurde die alte Zählpunktbezeichnung durch ein klareres Modell ersetzt: Die Trennung von Markt- und Messlokation bildet ab, dass der Ort der bilanzierungsrelevanten Energiemenge nicht immer mit dem Ort der Messung identisch ist. Dazu kommt die Marktpartner-ID, die nicht Orte, sondern Unternehmen in ihren Marktrollen identifiziert. Drei Fragen, drei Identifikatoren: Worüber wird abgerechnet? Wo wird gemessen? Wer kommuniziert?

MerkmalMaLo-IDMeLo-IDMP-ID
IdentifiziertMarktlokation: Ort von Einspeisung oder Entnahme (bilanzierungsrelevant)Messlokation: Ort der tatsächlichen MessungMarktpartner: Unternehmen in einer Marktrolle
Aufbau11 Ziffern, rein numerisch33 Stellen, alphanumerisch13 Ziffern
VergabeNetzbetreiber, aus Kontingenten der Codevergabestellen von BDEW und DVGWNetzbetreiber (Fortführung der Zählpunktbezeichnung)BDEW (Strom), DVGW (Gas), alternativ GLN von GS1
Beständigkeitbleibt dauerhaft an der Lokation, auch bei Lieferanten- oder Zählerwechselbleibt bei Gerätewechsel bestehenje Rolle und Sparte eigene ID
Eingeführt01.02.2018Struktur älter (Zählpunktbezeichnung), als MeLo seit 01.02.2018etabliertes System, vor MaKo 2020

Die MaLo-ID: elf Ziffern mit Prüfziffer

Die Marktlokations-ID ist elfstellig und rein numerisch. Stelle 1 kennzeichnet die Vergabestelle (1 bis 3: DVGW, 4 bis 9: BDEW), die Stellen 2 bis 10 vergibt die Vergabestelle fortlaufend, Stelle 11 ist eine Prüfziffer. Netzbetreiber beziehen ihre Nummernkontingente über die Codevergabestellen, im Strom die Energie Codes und Services GmbH des BDEW, im Gas die DVGW-Vergabestelle. Die Prüfziffer folgt dem Verfahren der Lok- und Wagenkennzeichnung:

MaLo-ID (Beispiel aus der BDEW-Anwendungshilfe):  4 1 3 7 3 5 5 9 2 4 ?

a) Summe der Ziffern an ungeraden Stellen:   4+3+3+5+2        = 17
b) Summe der geraden Stellen, mal 2:        (1+7+5+9+4) x 2   = 52
c) Gesamtsumme:                              17 + 52          = 69
d) Differenz zum nächsten Zehnfachen:        70 - 69          = 1

Vollständige MaLo-ID: 41373559241   (ergibt d) 10, ist die Prüfziffer 0)

Der praktische Nutzen: Zahlendreher und Tippfehler fliegen sofort auf. Ein Eingangsprüfschritt, der die Prüfziffer jeder MaLo-ID nachrechnet, fängt einen Teil fehlerhafter Nachrichten ab, bevor sie Prozesse anstoßen.

Die MeLo-ID: 33 Stellen mit Struktur

Die Messlokations-ID übernimmt den Aufbau der alten Zählpunktbezeichnung nach den Metering-Code-Regeln des FNN (VDE-AR-N 4400): zwei Stellen Länderkennung (DE), sechs Stellen Netzbetreibernummer, fünf Stellen Postleitzahl des Messorts und zwanzig frei vergebene alphanumerische Stellen des Netzbetreibers.

DE | 001069 | 80638 | AB0EF1GH2IJ3KL4MN5OP  (schematisch)
Land  Netzbetreiber  PLZ    eindeutige Nummer (20 Stellen)

Anders als die MaLo-ID trägt die MeLo-ID also lesbare Struktur in sich. Verlassen sollte man sich darauf trotzdem nicht: Die Postleitzahl kann veralten oder als 00000 gefüllt sein; maßgeblich ist die ID als Ganzes, nicht ihre Bestandteile.

Die MP-ID: wer kommuniziert

Jeder Marktteilnehmer führt je Marktrolle eine 13-stellige Marktpartner-ID: eine BDEW-Codenummer im Strom, eine DVGW-Codenummer im Gas oder eine GLN aus dem GS1-System. Registriert werden sie in den Codenummerndatenbanken von BDEW und DVGW; nur dort gelistete IDs dürfen in der Marktkommunikation verwendet werden. In den EDIFACT-Nachrichten taucht die MP-ID an zwei Stellen auf, jeweils mit einem Qualifier für das Nummernsystem:

UNB+UNOC:3+9900123456789:500+9870123456789:502+...   Übertragungsdatei
NAD+MS+9900123456789::293'                            Absender (BDEW)
NAD+MR+9870123456789::332'                            Empfänger (DVGW)
(500/502 bzw. 293/332 = BDEW/DVGW; GLN: Qualifier 9; IDs schematisch)

Wer mehrere Rollen ausübt, etwa Netzbetreiber und grundzuständiger Messstellenbetreiber, kommuniziert unter mehreren MP-IDs. Welche ID in welchem Prozessschritt gehört, geben die Anwendungshandbücher vor.

Verwechslungsfälle aus der Praxis

Falsche oder vertauschte IDs sind eine der häufigsten Ursachen für APERAK-Ablehnungen und Klärfälle. Diese Muster kehren immer wieder:

  • MaLo statt MeLo im Messwertprozess. Zählerstände und Messwerte gehören zur Messlokation, bilanzierte Energiemengen zur Marktlokation. Wer in der MSCONS die falsche Lokation referenziert, produziert Ablehnungen beim Empfänger.
  • Zählernummer als MeLo-ID. Die Zählernummer identifiziert das Gerät und ändert sich beim Gerätewechsel; die MeLo-ID bleibt. Wer beides gleichsetzt, verliert beim nächsten Zählertausch die Zuordnung.
  • Die Excel-Falle. 13-stellige MP-IDs und 11-stellige MaLo-IDs werden von Tabellenkalkulationen als Zahl interpretiert: Exponentialdarstellung, gerundete Endstellen, verlorene Eindeutigkeit. IDs gehören in Textspalten, besonders bei Migrations- und Klärlisten.
  • Falsche Rollen-MP-ID. Bei Unternehmen mit mehreren Marktrollen landet schnell die Netzbetreiber-ID im Absenderfeld einer MSB-Nachricht. Formal gültig, prozessual falsch, und darum schwer zu finden.
  • 1:n-Konstellationen unterschätzt. Bei Überschusseinspeisung hängen zwei Marktlokationen (Bezug und Einspeisung) an einer Messlokation. Wer hier 1:1 annimmt, verknüpft Stammdaten falsch.

Das Lokationsmodell wächst übrigens weiter: Mit §14a-Steuerung und Lokationsbündeln sind Netzlokationen sowie technische und steuerbare Ressourcen als weitere Objekte hinzugekommen. Das Grundprinzip bleibt: je Frage ein eindeutiger Identifikator, sauber verknüpft in den Stammdaten.

Häufige Fragen

Auf der Strom- oder Gasrechnung des Lieferanten sowie in den Unterlagen des Netzbetreibers. Verbraucher erkennen sie an der elfstelligen, rein numerischen Form; die 33-stellige alphanumerische Nummer daneben ist die MeLo-ID.
Formal über drei Kriterien: elf Ziffern, erste Stelle zwischen 1 und 9, Prüfziffer nach dem beschriebenen Verfahren korrekt. Ob die ID tatsächlich existiert und zur richtigen Lokation gehört, klärt nur der Abgleich mit dem Netzbetreiber.
Nein. Die MaLo-ID bleibt dauerhaft an der Marktlokation, unabhängig von Lieferant, Messstellenbetreiber oder Gerät. Genau diese Beständigkeit macht sie zum Schlüssel des 24-Stunden-Lieferantenwechsels.
Strukturell ja: Die MeLo-ID führt den 33-stelligen Aufbau der Zählpunktbezeichnung fort. Fachlich bezeichnet sie seit der MaKo 2020 aber ausschließlich die Messlokation; die Bilanzierungssicht liegt seither bei der Marktlokation.

Das Wichtigste in Kürze

  • Drei Identifikatoren, drei Fragen: MaLo-ID (worüber wird bilanziert), MeLo-ID (wo wird gemessen), MP-ID (wer kommuniziert).
  • MaLo-ID: 11 Ziffern, Stelle 1 = Vergabestelle (1–3 DVGW, 4–9 BDEW), Stelle 11 = Prüfziffer nach dem Lok- und Wagenkennzeichnungsverfahren.
  • MeLo-ID: 33 Stellen (DE + Netzbetreibernummer + PLZ + 20 Stellen), Fortführung der Zählpunktbezeichnung nach VDE-AR-N 4400.
  • MP-ID: 13-stellig, je Marktrolle und Sparte; BDEW-, DVGW-Codenummer oder GLN, registriert in den Codenummerndatenbanken.
  • Häufigste Praxisfehler: MaLo/MeLo vertauscht, Zählernummer als MeLo, Excel-Rundung, falsche Rollen-MP-ID, 1:n-Konstellationen ignoriert.

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