Marktkommunikation6 Min. Lesezeitvon Bluu Team

Die Marktkommunikation 2020: das Redesign verstehen

Mit der Marktkommunikation 2020 wurde die MaKo grundlegend neu gestaltet: neues Lokationsmodell mit MaLo und MeLo, der Messstellenbetreiber im Zentrum der Messwertverteilung, sternförmige statt kettenförmiger Kommunikation. Wer heute AS4-Strecken betreibt oder Clearingfälle klärt, arbeitet auf genau diesem Fundament. Dieser Beitrag ordnet das Redesign historisch ein und schlägt den Bogen zu heute. Stand: Juli 2026.

Warum ein Redesign nötig war

Auslöser war das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende von 2016 mit dem Messstellenbetriebsgesetz (MsbG). Es liberalisierte den Messstellenbetrieb, machte den Messstellenbetreiber zur eigenständigen Marktrolle mit Messwertverantwortung und gab den Rollout intelligenter Messsysteme vor. Die gewachsenen Marktprozesse passten dazu nicht mehr: Sie kannten nur den Zählpunkt als Universalobjekt und den Verteilnetzbetreiber als Drehscheibe aller Messwerte.

Die Bundesnetzagentur reagierte in zwei Stufen. Zuerst kam das Interimsmodell (Festlegungen BK6-16-200 und BK7-16-142 vom 20.12.2016): Ab dem 01.10.2017 wurden Werte aus intelligenten Messsystemen übergangsweise weiter über die konventionellen Wege des Verteilnetzbetreibers verteilt, obwohl das MsbG bereits die direkte, sternförmige Verteilung vorsah. Teil dieser Stufe war die Einführung von Markt- und Messlokation zum 01.02.2018. Die zweite Stufe war dann die eigentliche MaKo 2020 (Festlegung BK6-18-032), die zum 01.12.2019 in Kraft trat.

Die wichtigste Neuerung: MaLo und MeLo

Die alte Zählpunktbezeichnung musste zwei Dinge gleichzeitig sein: Anker für die Bilanzierung und Anker für die Messung. Das Redesign trennte beides. Die Marktlokation (MaLo) ist der Ort, an dem Energie erzeugt oder verbraucht und bilanziert wird; die Messlokation (MeLo) ist der Ort, an dem gemessen wird. Eine Marktlokation kann mehrere Messlokationen haben und umgekehrt, etwa bei Überschusseinspeisung oder Summenzählung.

Diese Trennung bildet die Realität genauer ab, genau dort, wo Mess- und Bilanzierungssicht auseinanderfallen. Sie ist bis heute die Grundlage jeder Stammdatennachricht: Die elfstellige MaLo-ID und die 33-stellige MeLo-ID sind die zentralen Schlüssel der Codenummern-Systematik der Marktkommunikation.

Vom Ketten- zum Sternprinzip

Ebenso grundlegend war der Umbau der Messwertwege. Vorher liefen Messwerte kettenförmig: Der Netzbetreiber sammelte, plausibilisierte und verteilte weiter. Mit der MaKo 2020 rückte der Messstellenbetreiber ins Zentrum: Er versendet die Werte aus seinem Backend sternförmig an alle berechtigten Empfänger, vom Lieferanten bis zum Netzbetreiber. Die frühere Rolle des Messdienstleisters ging dabei im Messstellenbetreiber auf.

DimensionVor MaKo 2020Seit MaKo 2020
LokationsmodellZählpunkt als UniversalobjektMarktlokation und Messlokation getrennt
Identifikatoren33-stellige Zählpunktbezeichnung für allesMaLo-ID (11 Stellen) und MeLo-ID (33 Stellen)
Messwertverteilungkettenförmig über den Netzbetreibersternförmig durch den Messstellenbetreiber
RollenmodellMSB und Messdienstleister getrenntMessstellenbetreiber mit voller Messwertverantwortung
Bilanzierungüberwiegend ProfilverfahrenWeichenstellung Richtung viertelstündlicher Werte

Was die Umstellung damals bedeutete

Der Stichtag 01.12.2019 war einer der größten Umbauten der MaKo-Geschichte: Jedes Systemhaus musste sein Datenmodell erweitern, jeder Marktteilnehmer seine Bestandsdaten auf MaLo und MeLo aufteilen und neu verknüpfen. In SAP IS-U hieß das, Zählpunkt-, Anlagen- und Gerätestrukturen auf das neue Lokationsmodell zu mappen und sämtliche UTILMD-Prozesse auf die neuen Identifikatoren umzustellen. Viele Datenqualitätsprobleme, die heute in Clearingfällen auftauchen, stammen aus genau dieser Aufteilung, weshalb Stammdatenqualität seither ein Dauerthema ist.

Die MaKo 2020 war kein Formatrelease, sondern ein Architekturwechsel: Sie hat das Datenmodell geschaffen, auf dem alle späteren Beschleunigungen erst möglich wurden.

Der Bogen zu heute

Wer die MaKo 2020 verstanden hat, erkennt in den aktuellen Umbauten ihre Fortsetzung. Der Lieferantenwechsel in 24 Stunden (seit 06.06.2025) funktioniert nur, weil eindeutige MaLo-IDs eine vollautomatische Identifikation ohne Adressabgleich erlauben; GeLi Gas 2.0 zog zum 01.04.2026 nach. Der Transport wanderte parallel von der E-Mail zum AS4-Übertragungsweg (Strom seit 04/2024, Gas seit 04/2025).

Auch der Rhythmus hat sich professionalisiert: Statt seltener Großumbauten kommen Änderungen heute als Releases im Halbjahrestakt, das nächste zum 01.10.2026. Und mit dem MaBiS-Hub steht ab 2029 der nächste Architekturschritt an, diesmal in der Bilanzierung. Das Muster bleibt dasselbe: Wer das Lokationsmodell und seine Identifikatoren sauber im Griff hat, setzt jede neue Stufe als Routine um.

Häufige Fragen

Ihr Kern gilt unverändert: Das Lokationsmodell mit MaLo und MeLo, die Rolle des Messstellenbetreibers und die sternförmige Messwertverteilung sind die Basis aller heutigen Prozesse. Die Details werden seither über halbjährliche Releases fortgeschrieben.
Eine Übergangslösung ab dem 01.10.2017: Werte aus intelligenten Messsystemen wurden zunächst weiter über die konventionellen Wege des Netzbetreibers verteilt, bis die MaKo 2020 die sternförmige Verteilung durch den Messstellenbetreiber einführte. MaLo und MeLo kamen bereits in dieser Phase, zum 01.02.2018.
Der Name stammt aus dem Zielbild „Marktkommunikation 2020" der Bundesnetzagentur. Die zugehörige Festlegung BK6-18-032 trat bereits zum 01.12.2019 in Kraft, damit der Markt zum Jahr 2020 auf dem neuen Modell arbeitete.
Die Marktlokation ist der bilanzierungsrelevante Ort von Erzeugung oder Verbrauch, die Messlokation der Ort der tatsächlichen Messung. Beide können 1:1 zusammenfallen, aber auch in 1:n-Beziehungen stehen, etwa bei Überschusseinspeisung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die MaKo 2020 setzte das MsbG von 2016 um: zweistufig über das Interimsmodell (ab 01.10.2017, MaLo/MeLo ab 01.02.2018) und die Festlegung BK6-18-032 zum 01.12.2019.
  • Kernelemente: Trennung von Marktlokation und Messlokation, Messstellenbetreiber mit Messwertverantwortung, sternförmige statt kettenförmiger Verteilung.
  • Die Umstellung erforderte die Aufteilung aller Bestandsdaten auf das neue Lokationsmodell; viele heutige Clearingfälle wurzeln dort.
  • LFW24 (06.06.2025), GeLi Gas 2.0 (01.04.2026) und der AS4-Übertragungsweg bauen direkt auf diesem Fundament auf.
  • Es folgen Releases im Halbjahrestakt (nächstes: 01.10.2026) und ab 2029 der MaBiS-Hub als nächster Architekturschritt.

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