Die Marktlokations-ID hat elf Stellen, und die elfte ist eine Prüfziffer. Das Verfahren dahinter ist seit 2017 öffentlich dokumentiert, in der BDEW-Anwendungshilfe zur Einführung der MaLo-ID. Trotzdem prüft es im Alltag praktisch niemand: Die Spezifikationen der Marktkommunikation definieren die ID als elfstellige Ziffernfolge, Schnittstellen nehmen sie als Zeichenkette an. Dieser Beitrag zeigt das Verfahren mit Rechenbeispiel, was wir an einem realen Bestand gemessen haben und warum eine Eingangsprüfung vor jedem Massenschreiben einen halben Tag kostet und eine Nachmigration spart. Stand: September 2026.
Aufbau der MaLo-ID
Die Marktlokations-Identifikationsnummer wurde zum 01.02.2018 im deutschen Energiemarkt eingeführt und ersetzt für die kaufmännisch-bilanzielle Seite den alten Zählpunkt. Sie ist rein numerisch und elfstellig. Die Bildungsvorschrift der BDEW-Anwendungshilfe (Version 1.0, 28.04.2017) legt fest:
| Stelle | Inhalt | Zulässige Zeichen |
|---|---|---|
| 1 | Vergabestelle | 1 bis 9 |
| 2 bis 10 | automatisiert vergebene Nummer | 0 bis 9 |
| 11 | Prüfziffer, von der Vergabestelle berechnet | 0 bis 9 |
Die ID ist dauerhaft: Sie ändert sich weder beim Lieferanten- noch beim Netzbetreiberwechsel. Wo sie fachlich hingehört und wie sie sich zur Messlokation verhält, erklärt der Beitrag Messkonzepte in SAP IS-U.
Das Verfahren
Die Prüfziffernberechnung erfolgt nach der Anwendungshilfe im „Lok- und Waggon-Kennzeichnungsverfahren", demselben Schema, das auch für die BDEW- und DVGW-Codenummern gilt. Vier Schritte über die ersten zehn Stellen:
- Quersumme der ungeraden Positionen (Stellen 1, 3, 5, 7, 9) bilden.
- Quersumme der geraden Positionen (Stellen 2, 4, 6, 8, 10) bilden und mit 2 multiplizieren.
- Beide Summen addieren.
- Differenz zum nächsten Vielfachen von 10 ist die Prüfziffer. Ergibt sich 10, wird die Prüfziffer 0.
Das Rechenbeispiel aus der Anwendungshilfe, ID-Stamm 4137355924: ungerade Positionen 4 + 3 + 3 + 5 + 2 = 17; gerade Positionen (1 + 7 + 5 + 9 + 4) × 2 = 52; Summe 69; Differenz zu 70 ist 1. Die vollständige ID lautet 41373559241.
stamm = "4137355924" ungerade = sum(int(z) for z in stamm[0::2]) # Stellen 1,3,5,7,9 gerade = sum(int(z) for z in stamm[1::2]) * 2 # Stellen 2,4,6,8,10 pruef = (10 - (ungerade + gerade) % 10) % 10 # ergibt 1
Fünf Zeilen, keine Bibliothek. Das ist der ganze Aufwand für eine Prüfung, die im Zielsystem sonst niemand übernimmt.
Was wir gemessen haben
Ein dokumentiertes Verfahren ist eine Behauptung des Herausgebers. Ob die Vergabestellen es tatsächlich so anwenden, lässt sich nur am Bestand feststellen. Wir haben es an 1 477 echten Marktlokations-IDs eines pseudonymisierten Bestands geprüft: 100 Prozent Treffer. Zwei plausible Gegenkandidaten liefen mit: die vertauschte Gewichtung (gerade Positionen einfach, ungerade doppelt) traf 10,6 Prozent, das klassische Luhn-Verfahren 0,1 Prozent. Bei dieser Stichprobengröße ist das kein Zufall, sondern eine Bestätigung der Anwendungshilfe.
Zusätzlich erfüllt das Beispiel der öffentlichen EDI@Energy-Spezifikation zur MaLo-ID genau dieses Verfahren. Das Verfahren gilt also nachweislich, an einem realen Bestand und an der Normquelle. Es schreibt es nur kaum jemand in seine Systeme.
Warum es trotzdem niemand prüft
Die öffentliche Spezifikation der Marktkommunikation definiert die MaLo-ID als elfstellige Ziffernfolge, ohne Prüfziffernregel. Herstellerseitige Schnittstellen für Messkonzept- und Stammdaten nehmen die ID als freie Zeichenkette an, oft mit einer Maximallänge, die auch die 33-stellige Zählpunktbezeichnung zulässt. Eine falsche MaLo-ID wird angenommen, gespeichert und erst dann sichtbar, wenn der erste Marktprozess auf ihr aufsetzt und der Marktpartner sie nicht kennt.
Die Zählpunktbezeichnung der Messlokation ist ein Sonderfall: 33 Stellen, „DE" plus Netzbetreiber-Codenummer plus Postleitzahl plus zwanzig freie Stellen, und keine Prüfziffer. Prüfbar sind nur Länge, Zeichenvorrat, Präfix und die numerische Postleitzahl. Wer eine Validierung analog zur MaLo-ID erwartet, irrt. Was fehlende Eingangsprüfungen in der Marktkommunikation kosten, zeigt der Beitrag Stammdatenqualität in der Marktkommunikation.
Das Verfahren steht seit 2017 in einer Anwendungshilfe, die jeder herunterladen kann. Der Fehler entsteht nicht aus Unwissen, sondern aus der Annahme, die Schnittstelle würde es schon prüfen.
Wo die Prüfung hingehört
In Migrationen entstehen falsche IDs auf drei Wegen: Tippfehler in manuell nachgepflegten Altbeständen, Zeichenverschiebungen beim Export aus Tabellenkalkulationen (führende Nullen, wissenschaftliche Notation) und Verwechslungen von MaLo-ID und Zählpunktbezeichnung in derselben Spalte. Alle drei fallen mit einer Eingangsvalidierung vor dem Massenschreiben auf: Länge elf, nur Ziffern, erste Stelle ungleich null, Prüfziffer korrekt. Was durchfällt, wird benannt abgelehnt, nicht stillschweigend geladen. Der Aufwand ist ein halber Tag. Die Alternative ist eine Nachmigration, sobald der erste Lieferantenwechsel an der falschen ID scheitert. Weitere Fehler dieser Art beschreibt der Beitrag Datenmigration: typische Stolperfallen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die MaLo-ID ist elfstellig: Stelle 1 Vergabestelle (1 bis 9), Stellen 2 bis 10 automatisiert vergeben, Stelle 11 Prüfziffer. Eingeführt zum 01.02.2018, unveränderlich.
- Prüfziffer nach BDEW-Anwendungshilfe (28.04.2017): Quersumme ungerade Positionen plus doppelte Quersumme gerade Positionen, Differenz zum nächsten Zehner; bei 10 wird 0. Beispiel 4137355924 ergibt 1.
- An 1 477 realen IDs bestätigt: 100 Prozent Treffer; vertauschte Gewichtung und Luhn fallen durch.
- Weder die Marktkommunikations-Spezifikation noch herstellerseitige Schnittstellen prüfen die Ziffer; die Zählpunktbezeichnung hat gar keine.
- Eingangsvalidierung vor jedem Massenschreiben: fünf Zeilen Code, ein halber Tag Aufwand, eine Nachmigration gespart.