SAP Utilities5 Min. Lesezeitvon Bluu Energy

Convergent Invoicing in S/4HANA Utilities

Mit neuen Geschäftsmodellen steigt die Komplexität der Abrechnung: Wallbox-Miete, PV-Pacht, Bündelprodukte und nutzungsbasierte Services passen nicht in das tarifgetriebene Schema der klassischen IS-U-Fakturierung. Convergent Invoicing (CI) ist die SAP-Antwort darauf. Dieser Beitrag grenzt beide Welten sauber ab und zeigt, wann CI relevant wird und was das für die S/4HANA-Migration bedeutet.

Die klassische IS-U-Fakturierung: stark, aber tarifgebunden

Die Verbrauchsabrechnung in SAP IS-U ist ein zweistufiger Prozess. Die Abrechnung (Billing) bewertet Zählerstände und Mengen anhand von Tarifen und erzeugt Abrechnungsbelege; die Fakturierung fasst diese zu Druckbelegen zusammen und bucht die Forderung ins Vertragskontokorrent FI-CA. Preisfindung, Zeitscheibenlogik, Ablesesteuerung und die Anbindung an die Marktkommunikation sind hier über Jahrzehnte für das Commodity-Geschäft ausgereift.

Genau diese Stärke ist zugleich die Grenze: Das Datenmodell denkt in Anlagen, Zählwerken und Tarifen. Eine monatliche Wallbox-Miete, ein Ladevorgang an fremder Infrastruktur oder ein Serviceabo lassen sich damit nur über Hilfskonstruktionen abbilden, etwa Pauschalanlagen ohne Zähler. Das funktioniert, skaliert aber schlecht und macht jedes neue Produkt zum Customizing-Projekt.

Was Convergent Invoicing anders macht

Convergent Invoicing dreht die Logik um: Statt Tarifen auf Anlagen verarbeitet CI abrechenbare Positionen (Billable Items). Das sind einzelne, bereits bewertete oder noch zu bewertende Posten aus beliebigen Quellen, etwa einem Ladevorgang, einer Abo-Gebühr oder einer extern gerateten Nutzung. Der Prozess läuft in zwei Schritten: Das Billing bündelt die Positionen nach konfigurierbaren Regeln zu Abrechnungsbelegen, das Invoicing erzeugt daraus die Rechnung und bucht sie in FI-CA.

CI ist Teil von SAP BRIM (Billing and Revenue Innovation Management). Die Suite besteht aus vier Bausteinen: Subscription Order Management (SOM) für Vertrieb und Vertragsverwaltung von Abo-Produkten, Convergent Charging (CC) für die Bewertung von Nutzungsereignissen in Echtzeit, Convergent Invoicing für Bündelung und Rechnungsstellung sowie FI-CA für Forderungen, Zahlungen und Mahnwesen. Wichtig für Versorger: CI und FI-CA sind Bestandteil von SAP S/4HANA; die IS-U-Welt nutzt dasselbe FI-CA. Genau diese gemeinsame Basis macht die Koexistenz beider Abrechnungswelten praktikabel.

Abgrenzung im Überblick

KriteriumKlassische IS-U-FakturierungConvergent Invoicing
DatenmodellAnlage, Zählwerk, Tarif, Zeitscheibenabrechenbare Positionen aus beliebigen Quellen
ProdukttypenStrom, Gas, Wasser, Wärme (Commodity)Abos, Services, nutzungsbasierte und gebündelte Produkte
MengenherkunftZählerstände, Zeitreihen aus dem EDMEreignisse und Posten, optional geratet über Convergent Charging
Regulatorische Prägunghoch (MaKo, Netzentgelte, Preisbestandteile)gering, dafür flexibel im Produktdesign
Neue Produkte einführenCustomizing im Tarifwerk, oft aufwendigKonfiguration von Positionsklassen und Billing-Regeln
BuchhaltungFI-CAFI-CA (gemeinsame Basis)

Wann Convergent Invoicing relevant wird

Die ehrliche Antwort: nicht für jeden. Wer im Kern Strom und Gas nach GPKE-Prozessen abrechnet, hat mit der klassischen IS-U-Fakturierung das passende Werkzeug. CI wird interessant, sobald mindestens eines zutrifft:

  1. Non-Commodity-Portfolio. Wallboxen, PV-Pacht, Wärmepumpen-Service, Telekommunikation im Stadtwerke-Verbund: viele kleine Produkte, die heute oft in Nebensystemen oder Tabellenkalkulationen fakturiert werden.
  2. Nutzungsbasierte Modelle. E-Mobility-Ladevorgänge oder ereignisbasierte Services erzeugen hohe Stückzahlen kleiner Posten, für die CI mit Massenverarbeitung ausgelegt ist.
  3. Eine Rechnung als Anspruch. Kunden mit Commodity- und Non-Commodity-Produkten sollen einen konsolidierten Beleg erhalten. Dafür lassen sich IS-U-Abrechnungsergebnisse als Positionen an CI übergeben, das die Gesamtrechnung erstellt.
Convergent Invoicing ersetzt die IS-U-Abrechnung nicht, es ergänzt sie dort, wo das Produkt keiner Marktlokation mehr folgt.

Migrationskonsequenzen: die Weiche früh stellen

Für die Migration auf SAP S/4HANA Utilities ist CI vor allem eine Architekturentscheidung. Beim Brownfield-Umstieg bleibt die klassische Fakturierung erhalten; CI lässt sich später ergänzen, weil beide Welten in dasselbe FI-CA buchen. Wer Greenfield geht, sollte die Frage dagegen vor dem Zielbild-Design beantworten: Positionsklassen, Rechnungslayout, Output-Management und Folgeprozesse wie Mahnwesen unterscheiden sich je nachdem, ob CI von Anfang an mitspielt.

Unterschätzt wird regelmäßig die Datenseite: Läuft ein Teil des Portfolios künftig über CI, brauchen Bestandsverträge einen Migrationspfad in die neue Struktur, inklusive offener Posten und laufender Abschlagspläne. Und organisatorisch entsteht eine zweite Abrechnungslogik, die Fachbereich und Support beherrschen müssen. Ein schrittweiser Einstieg über ein abgegrenztes Non-Commodity-Segment ist deshalb in der Praxis der robustere Weg als der große Wurf.

Häufige Fragen

Die IS-U-Fakturierung rechnet tarifbasiert auf Anlagen und Zählwerken ab und ist für Commodity-Prozesse optimiert. CI verarbeitet abrechenbare Positionen aus beliebigen Quellen und bündelt sie flexibel zu Rechnungen; beide buchen in FI-CA.
Nein. Für regulierte Commodity-Prozesse bleibt die IS-U-Abrechnung das Werkzeug der Wahl. CI ergänzt sie für Abos, Services und nutzungsbasierte Produkte und kann IS-U-Ergebnisse in eine konsolidierte Rechnung übernehmen.
Vier Komponenten: Subscription Order Management für Vertrieb und Verträge, Convergent Charging für die Echtzeit-Bewertung von Nutzung, Convergent Invoicing für Billing und Rechnung sowie FI-CA für Forderungsmanagement und Zahlungen.
Wenn ein wachsendes Non-Commodity-Portfolio, nutzungsbasierte Produkte oder der Wunsch nach einer konsolidierten Rechnung bestehen. Sinnvoll ist der Einstieg über ein abgegrenztes Segment, idealerweise abgestimmt mit der S/4HANA-Zielarchitektur.

Das Wichtigste in Kürze

  • Convergent Invoicing bündelt abrechenbare Positionen aus beliebigen Quellen zu einer Rechnung und bucht wie IS-U in FI-CA.
  • Die klassische IS-U-Fakturierung bleibt für regulierte Commodity-Prozesse gesetzt; CI ergänzt sie für Abos, Services und nutzungsbasierte Produkte.
  • CI ist Teil von SAP BRIM (SOM, Convergent Charging, CI, FI-CA) und Bestandteil von SAP S/4HANA.
  • Relevant wird CI bei Non-Commodity-Portfolios, E-Mobility und dem Anspruch einer konsolidierten Kundenrechnung.
  • Für die Migration ist CI eine frühe Architekturentscheidung: Brownfield erlaubt spätere Ergänzung, Greenfield verlangt die Antwort vor dem Zielbild.

Abrechnung zukunftsfähig aufstellen

Wir bewerten mit Ihnen, ob Convergent Invoicing in Ihre Zielarchitektur gehört und wie es sich neben der IS-U-Fakturierung einführen lässt.

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