„Support endet 2027" ist als Schlagzeile so verbreitet wie ungenau. Tatsächlich gibt es drei Fristen: 2027, 2030 und unter engen Bedingungen 2033. Jede hat andere Konsequenzen. Dieser Beitrag ordnet die Stichtage präzise ein, zeigt mit aktuellen Studienzahlen, wo die Branche steht, und rechnet das Handlungsfenster rückwärts.
Was am 31.12.2027 wirklich endet
Ende 2027 läuft die Mainstream-Wartung für die SAP Business Suite 7 aus, und damit für SAP ERP 6.0, die technische Basis von SAP IS-U. Das heißt nicht, dass die Systeme am 1. Januar 2028 stehen bleiben. Es heißt: keine reguläre Weiterentwicklung, und der planbare, im Wartungsvertrag enthaltene Support endet in seiner bisherigen Form.
Für ein gewöhnliches ERP-System wäre das unangenehm. Für ein IS-U-System ist es existenziell, denn die deutsche Energiewirtschaft lebt von gesetzlich getriebenen Änderungen: Formatwechsel in der Marktkommunikation im Halbjahresrhythmus, neue Prozesse wie §14a EnWG, laufende Anpassungen an GPKE und MaBiS. Ein IS-U ohne rechtzeitige Legal Changes ist im regulierten Markt schlicht nicht betreibbar.
Die 2030-Option: Aufschub gegen Aufpreis
SAP bietet für 2028 bis 2030 eine Extended Maintenance an, gegen einen Aufschlag von 2 Prozentpunkten auf die Wartungsbasis. Das klingt harmlos, entspricht aber real einer Erhöhung der jährlichen Wartungskosten um rund 9 Prozent. Wer diesen Weg wählt, kauft drei Jahre Zeit, keine Lösung: Die Migration steht am Ende trotzdem an, nur unter schlechteren Bedingungen.
Nach 2030 folgt die Customer-Specific Maintenance: kein Aufpreis, aber auch keine neuen Patches und vor allem keine neuen Legal Changes mehr. Spätestens beim nächsten verpflichtenden Formatwechsel der Marktkommunikation wird ein solches System zum regulatorischen Risiko. Für Versorger ist die Customer-Specific Maintenance daher keine reale Betriebsoption, sondern nur eine sehr kurze Notbrücke.
Die 2033-Nuance: nur im RISE-Kontext und mit offener IS-U-Frage
Seit 2025 gibt es die „SAP ERP, private edition, transition option": eine Weiterbetriebsmöglichkeit für ECC-Systeme bis 2033. Sie ist an enge Bedingungen geknüpft: Wechsel in die private edition im RISE-Modell vor Ende 2030, Betrieb auf SAP HANA, eine Mindestsystemgröße und verpflichtender Premium-Support. Ob die Branchenlösung IS-U von dieser Option abgedeckt ist, hat SAP öffentlich bislang nicht bestätigt. Wer 2033 in seine Planung einbaut, plant also mit einer Annahme, nicht mit einer Zusage.
Die leise Frist, die schon abgelaufen ist: Compatibility Packs
Weniger beachtet, aber für manche Häuser relevanter: Die Nutzungsrechte für die meisten Compatibility Packs (klassische ECC-Funktionen, die übergangsweise in S/4HANA weitergenutzt werden durften) sind Ende Mai 2026 endgültig ausgelaufen; nur für Ausnahmen wie CS, LE-TRA, PP-PI und RISE-Systeme gilt eine Frist bis Ende 2030. Die gute Nachricht für Versorger: Der IS-U-Kern aus Abrechnung, Energiedatenmanagement, IDEX und Geräteverwaltung ist in SAP S/4HANA Utilities nativ enthalten und war nie ein Compatibility Pack. Wer aber etwa den Kundenservice über das alte CS-Modul abbildet, hat eine zusätzliche Frist im Kalender.
Wo die Branche steht: die Zahlen sind unbequem
Laut DSAG-Investitionsreport 2026 (Befragung von 198 Unternehmen) arbeiten noch 54 Prozent der Unternehmen mit ECC beziehungsweise der Business Suite. Nur 37 Prozent planen den Umstieg bis Ende 2027, etwa die Hälfte bis Ende 2030. Für die Energiewirtschaft zeichnete PwC schon 2024 ein ähnliches Bild: Rund die Hälfte der deutschen Stadtwerke hatte den IS-U-Umstieg noch nicht einmal begonnen, und laufende Projekte dauerten oft doppelt so lang und kosteten das Zwei- bis Dreifache des Geplanten.
Diese beiden Befunde zusammen ergeben das eigentliche Problem: Ein großer Teil der Branche will im selben engen Zeitfenster migrieren, während erfahrene S/4HANA-Utilities-Berater, Migrationsspezialisten und interne Fachbereichs-Kapazitäten begrenzt sind. Der Engpass ist nicht die Software – es sind die Menschen, die sie einführen können.
Das Handlungsfenster, rückwärts gerechnet
Eine IS-U-Ablösung dauert je nach Szenario und Ausgangslage realistisch 18 bis 36 Monate: von der Standortbestimmung über Datenbereinigung, Realisierung und Testzyklen auf dem vollen Mengengerüst bis zum stabilen Go-Live. Rechnet man vom 31.12.2027 zurück, ergibt sich:
- Start bis Anfang 2025: komfortables Fenster, freie Szenariowahl, Go-Live vor Wartungsende realistisch.
- Start 2026: machbar, aber ohne Puffer. Jede Verzögerung schiebt den Go-Live hinter 2027 und macht Extended Maintenance zur Pflicht.
- Start 2027 oder später: die Extended Maintenance bis 2030 wird faktisch eingeplant, mit rund 9 Prozent höheren Wartungskosten pro Jahr und einem Markt, in dem die Beraterkapazitäten am knappsten sind.
Hinzu kommt: Vorarbeiten wie Datenanalyse und Bereinigung, die Klärung des Geschäftspartner-Modells oder die Custom-Code-Analyse lassen sich vor dem eigentlichen Projekt erledigen und verkürzen es messbar. Wer heute noch nicht starten kann, kann trotzdem heute vorbereiten.
Ihre Optionen im Überblick
| Option | Was sie bedeutet | Bewertung |
|---|---|---|
| Migration bis Ende 2027 | Umstieg in der Mainstream-Wartung | Planbar und ressourcensicher, erfordert aber Start spätestens 2025/2026. |
| Extended Maintenance bis 2030 | Aufschub gegen +2 Prozentpunkte Wartungsaufschlag | Legitime Brücke, wenn der Migrationsplan steht; als Ersatz für einen Plan teuer. |
| RISE-Transition-Option bis 2033 | ECC in der private edition, enge Bedingungen | Nur im RISE-Kontext; IS-U-Abdeckung öffentlich nicht bestätigt, daher keine Planungsgrundlage. |
| Abwarten | Customer-Specific Maintenance ohne Legal Changes | In der MaKo-getriebenen Energiewirtschaft faktisch nicht betreibbar. |
Der erste Schritt ist klein
Am Anfang steht kein Großprojekt, sondern eine Standortbestimmung: Readiness-Assessment, Datenqualitäts-Analyse, Szenario-Entscheidung. Wie ein solches Projekt dann konkret abläuft, zeigt der Beitrag zum Vorgehen und Zeitplan der IS-U-Migration; welche Wege zur Auswahl stehen, der Vergleich Brownfield, Greenfield oder Hybrid.
2027 ist keine Deadline, an der Systeme abgeschaltet werden – es ist der Punkt, ab dem jedes weitere Jahr IS-U teurer, riskanter und personell schwieriger wird.
Das Wichtigste in Kürze
- Mainstream-Wartung für SAP Business Suite 7 (inkl. IS-U) endet am 31.12.2027.
- Extended Maintenance 2028–2030: +2 Prozentpunkte Aufschlag, real ca. 9 % höhere Wartungskosten pro Jahr.
- Die 2033-Option gilt nur im RISE-Kontext unter engen Bedingungen; ob IS-U abgedeckt ist, ist öffentlich nicht bestätigt.
- Laut DSAG-Investitionsreport 2026 planen nur 37 % den Umstieg bis Ende 2027; der Ressourcenengpass ist damit programmiert.
- Bei 18–36 Monaten Projektlaufzeit ist das Startfenster jetzt; Datenanalyse und Bereinigung lassen sich schon vor dem Projekt erledigen.