SAP Utilities9 Min. Lesezeitvon Bluu Team

Messkonzeptverwaltung (MKV) erklärt: was SAPs Cloud-Komponente ändert

Das klassische SAP IS-U hat keine Funktion „Messkonzept anlegen". Jede PV-Anlage mit Eigenverbrauch, jede Kaskade, jeder Mieterstrom wird aus Anlagen, Geräteinfosätzen, Zählpunktbeziehungen und Formelprofilen zusammengesetzt, kundenindividuell und ohne ein Objekt, das sagt: Das hier ist Messkonzept X. Die Messkonzeptverwaltung (MKV) ist SAPs Antwort darauf, allerdings nicht im S/4HANA-Kern, sondern als Cloud-Komponente mit einem Adapter im Business-System. Dieser Beitrag erklärt, wie MKV aufgebaut ist, was der Adapter tut und warum die eigentliche Arbeit vor der Einführung liegt. Stand: September 2026.

Wo die Messkonzeptverwaltung läuft

MKV ist eine Komponente der SAP Utilities Core Foundation auf der SAP Business Technology Platform; in der englischen Dokumentation heißt sie Measurement Concept Management (MCM). Die deutsche S/4HANA-Dokumentation bringt die Arbeitsteilung auf einen Satz: Die Utilities-Core-Grundlage ist das führende System und die zentrale Datenquelle für alle Messkonzeptmodelle und -instanzen. Im S/4HANA Utilities sitzt der MKV-Adapter. Er empfängt Messkonzeptinstanzen aus der Cloud, legt technische und kaufmännische Stammdaten an und stößt die Geschäftsprozesse an, mit denen das Messkonzept im Business-System entsteht oder geändert wird.

Wichtig für die Einordnung: Das ist nicht der Gegensatz IS-U gegen S/4HANA. Beide Hälften der MKV gehören zur neuen Welt. Wer heute auf klassischem IS-U arbeitet oder S/4HANA ohne Cloud-Anbindung betreibt, hat MKV nicht, und zwar unabhängig vom Releasestand des Kernsystems. Was die Umstellung selbst bedeutet, erklärt der Beitrag SAP IS-U vs. S/4HANA Utilities.

Drei Ebenen: Klasse, Modell, Instanz

Das Datenmodell der MKV trennt Technik, Kaufmännisches und die konkrete Anlage:

EbeneInhaltBeispiel
Messkonzeptklasse (Technical Model)die technische Seite: Messlokationen, Messaufgaben, beteiligte Akteure„Erzeugung mit Eigenverbrauch, zwei Messlokationen, Zweirichtungszähler am Netzanschluss"
Messkonzeptmodell (Commercial Model)die kaufmännische Seite: Marktlokationen, Berechnungsformeln, Fakturierung; jedes Modell referenziert genau eine Klasse„Eigenverbrauch = Erzeugung minus Einspeisung, Einspeise-MaLo mit Vergütung"
Messkonzeptinstanz (Instance)die konkrete Kundenanlage mit Gültigkeitszeitraum, abgeleitet aus einem Modell„Anlage Musterstraße 5, gültig ab 01.11.2026"

Der Reiz liegt in der Wiederverwendung: Klasse und Modell werden einmal definiert und für hunderte Instanzen genutzt. Damit bekommt ein Versorger erstmals eine auswertbare Antwort auf Fragen wie „Wie viele Anlagen laufen bei uns nach Konzept X?". Im klassischen IS-U ist genau diese Frage nur über Umwege zu beantworten, weil das Konzept dort kein eigenes Objekt ist. Warum, steht im Grundlagenbeitrag Messkonzepte in SAP IS-U.

Was der Adapter im S/4HANA tut

Die Kopplung ist lose und ereignisgesteuert: Die Cloud stellt eine Instanz frei, der Adapter erhält das Ereignis über den SAP Event Mesh und arbeitet die Anlage im Business-System ab. Die Dokumentation beschreibt den Erstellungsprozess als Folge von Schritten, die sich an der Stammdatenlogik des IS-U orientieren:

  1. Lokationen anlegen beziehungsweise zuordnen: Marktlokationen und Messlokationen der Instanz.
  2. Identifikatoren verifizieren: MaLo-IDs und MeLo-Kennungen gegen den Bestand prüfen.
  3. Mindeststammdaten erzeugen: Anschlussobjekt, Verbrauchsstelle, Anlagenrahmen.
  4. Geräteeinbau durchführen beziehungsweise Geräteinfosätze setzen.
  5. Kaufmännische Stammdaten anlegen: Verträge, Zählwerke, Abrechnungszuordnung.
  6. Instanz abschließen und die Fertigmeldung an die Cloud zurückgeben.

Der Adapter ist für ein Szenario gebaut, in dem Netzbetreiber und Messstellenbetreiber im selben Mandanten arbeiten. Und er verhindert manuelle Änderungen im S/4HANA nicht. SAP empfiehlt deshalb ausdrücklich, das Berechtigungskonzept so zu setzen, dass Anwender die vom Adapter erzeugten Stammdaten nicht mehr direkt bearbeiten. Wer das auslässt, hat nach kurzer Zeit wieder zwei Wahrheiten: eine in der Cloud, eine im Business-System.

Was MKV nicht löst

MKV ist ein neues Objekt neben den bestehenden, nicht deren Ablösung. Formelprofile rechnen weiter, Zählpunktbeziehungen verknüpfen weiter, Tarife rechnen weiter ab. Die Cloud plant das Messkonzept, S/4HANA rechnet es ab, der Adapter ist die Brücke. Daraus folgen zwei Konsequenzen, die in Vorprojekten regelmäßig unterschätzt werden.

Erstens kommt die Bereinigung vor der Einführung. Wer Bestandsanlagen in Klassen und Modelle überführt, muss vorher wissen, welche Konstellation jede Anlage tatsächlich hat. Im klassischen IS-U steht das nirgends an einer Stelle: Die Rechenlogik steckt in den Formelprofilen, die Topologie in den Zählpunktbeziehungen, die Abrechnung in Tarif und Schema. In Projekten zeigt sich dabei fast immer, dass ein Teil der Anlagen keinem sauberen Konzept entspricht, weil über Jahre nachgepflegt wurde, ohne dass jemand die drei Orte gegeneinander geprüft hat. Diese Anlagen zuerst ohne Bereinigung in die MKV zu heben, harmonisiert Fehler statt Konzepte.

Zweitens ist MKV ein Migrationsthema. Messkonzeptinstanzen sind bei einer S/4HANA-Umstellung eigene Migrationsobjekte. Wer den Systemwechsel und die MKV-Einführung getrennt plant, fasst dieselben Anlagen zweimal an. Die typischen Fehler beim ersten Mal beschreibt der Beitrag Datenmigration: typische Stolperfallen.

Die Cloud plant das Messkonzept, S/4HANA rechnet es ab. Der Hebel beim Bestandskunden liegt aber vor beidem: in der Frage, welches Konzept jede Anlage heute wirklich hat.

Das Wichtigste in Kürze

  • MKV ist eine Komponente der SAP Utilities Core Foundation auf der BTP (englisch: Measurement Concept Management). Die Cloud ist das führende System, der MKV-Adapter im S/4HANA Utilities setzt die Instanzen um.
  • Drei Ebenen: Messkonzeptklasse (Technik), Messkonzeptmodell (Kaufmännisches, Formeln; referenziert genau eine Klasse), Messkonzeptinstanz (konkrete Anlage mit Gültigkeit).
  • Der Adapter arbeitet ereignisgesteuert über den SAP Event Mesh und legt die Stammdaten in sechs Schritten an, von den Lokationen bis zum Instanzabschluss.
  • Manuelle Änderungen im S/4HANA bleiben möglich. Ohne angepasstes Berechtigungskonzept entstehen zwei Wahrheiten.
  • MKV ersetzt Formelprofile, Zählpunktbeziehungen und Tarife nicht. Vor der Einführung steht die Bereinigung der Bestandskonzepte, idealerweise zusammen mit der S/4HANA-Migration geplant.

Häufige Fragen

Ja. Die Messkonzeptverwaltung ist eine Komponente der SAP Utilities Core Foundation auf der Business Technology Platform. Im S/4HANA Utilities läuft nur der Adapter, der die Instanzen aus der Cloud empfängt. Ein S/4HANA ohne diese Anbindung hat kein Messkonzept-Objekt, sondern arbeitet wie das klassische IS-U mit Anlagen, Geräteinfosätzen, Zählpunktbeziehungen und Formelprofilen.
Nein. MKV definiert das Messkonzept zentral und stößt die Anlage der Stammdaten an; gerechnet und abgerechnet wird weiterhin im S/4HANA mit den bekannten Objekten. MKV ist damit ein zusätzliches, führendes Objekt, keine Ablösung der bestehenden.
Den Bestand zusammenlesen: Für jede Anlage prüfen, welche Konstellation Formelprofile, Zählpunktbeziehungen und Abrechnungskonfiguration tatsächlich abbilden, und Abweichungen bereinigen. Erst dann lassen sich Anlagen sauber Klassen und Modellen zuordnen. Wer parallel nach S/4HANA migriert, plant beides zusammen, weil dieselben Anlagen betroffen sind.

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