Marktkommunikation9 Min. Lesezeitvon Bluu Team

MaKo-Release Oktober 2026: was kommt – und wie Sie es in SAP umsetzen

Zum 01.10.2026 wechselt die deutsche Marktkommunikation turnusgemäß die Formate, final beschlossen per BNetzA-Mitteilung Nr. 56 vom 01.04.2026. Die gute Nachricht: Es ist ein Konsolidierungs-Release ohne neue Geschäftsprozesse. Dieser Beitrag listet die verbindlichen Versionsstände, erklärt die wesentlichen Änderungen und ordnet ein, was davon tatsächlich im Oktober kommt und was erst im April 2027. Stand: September 2026.

Einordnung: der feste Halbjahres-Turnus

Formatumstellungen in der Marktkommunikation folgen einem festen Rhythmus: jeweils zum 1. April und 1. Oktober. Wer den Turnus als Routine begreift, kann Budgets, Testfenster und Personaleinsatz planen, statt zweimal jährlich in den Feuerwehrmodus zu wechseln. Die großen Prozessumbauten liegen dabei hinter uns: Der 24-Stunden-Lieferantenwechsel, die Lokationsbündel und die §14a-Prozesse kamen bereits 2025.

Das Oktober-Release 2026 wurde am 02.02.2026 zur Konsultation gestellt (Mitteilung Nr. 55) und am 01.04.2026 mit Mitteilung Nr. 56 final beschlossen. Es räumt auf, statt umzubauen. Das macht den Aufwand kalkulierbar, setzt ihn aber nicht auf null: Auch ein Konsolidierungs-Release ist ein verbindlicher Stichtag, an dem alte Formatversionen ungültig werden. Eine Übergangsfrist nennt die Mitteilung nicht. Einen Prozess gibt es zudem, der sich sehr wohl ändert, weil er endet: Die Entscheidungsbaum-Diagramme 4.3 streichen mit Änderungs-ID 70344 das Kapitel „AD: Bestellung der bilanzierten Menge beim ÜNB", weil der Übertragungsnetzbetreiber die Übermittlung der bilanzierten Menge an den Netzbetreiber zum 01.10.2026 00:00 Uhr einstellt.

Was verbindlich wird

Die Versionsstände, die nach Mitteilung Nr. 56 ab dem 01.10.2026 anzuwenden sind:

Dokument / FormatVersion ab 01.10.2026
Allgemeine Festlegungen6.1d
UTILMD StromAHB 2.2 / MIG S2.2
UTILMD GasAHB 1.2 / MIG G1.2
MSCONSAHB 3.2 / MIG 2.5
UTILTSAHB 1.1
ORDERS / ORDRSPje AHB 1.1b / MIG 1.4c
APERAKAHB 1.1 / MIG 2.2
Entscheidungsbaum-Diagramme und Codelisten4.3
Regelungen zum Übertragungsweg1.10
AS4-Profil1.2
Regelungen zum Übertragungsweg AS42.6
Anwendungsübersicht der Prüfidentifikatoren4.0
Codeliste der Konfigurationen1.4
Codeliste der Verwendungszwecke1.0 (Erstveröffentlichung)
API Guideline1.0b

Weitere Nachrichtentypen wie IFTSTA, QUOTES, ORDCHG, PARTIN, PRICAT, REQOTE und INVOIC sind in der Mitteilung ebenfalls mit aktualisierten Ständen geführt. Am Übertragungsweg selbst ändert sich nichts Grundsätzliches: AS4 ist im Strom seit dem 01.04.2024 und im Gas seit dem 01.04.2025 der einzige Übertragungsweg, das Release aktualisiert lediglich Regelwerk und Profil. Wer den AS4-Umstieg sauber hinter sich hat, muss hier nur die Profilversion nachziehen.

Die inhaltlichen Änderungen

Mitteilung Nr. 55 beschreibt für dieses Release fünf Schwerpunkte, keiner davon führt einen neuen Geschäftsprozess ein:

  • OBIS-Kennzahlen-Weiterverwendung in UTILMD Strom, ORDERS und im Codelisten-Dokument. Minimalinvasiv ist dabei nur die Kennzahl selbst, der Umbau liegt daneben: Erstmals veröffentlicht wird die Codeliste der Verwendungszwecke 1.0, eine externe Codeliste mit den Codes V01 bis V15 für das DE7143 im PIA-Segment, angesteuert über den Code Z16 im DE1131. Im Gegenzug streicht die UTILMD MIG Strom S2.2 mit Änderungs-ID 26144 die Produkt-Segmentgruppe SG10 und trägt die Verwendungszwecke stattdessen rollenbezogen im PIA für Netzbetreiber, Lieferant und Übertragungsnetzbetreiber. V15 heißt „Keine Datenlieferung an Marktrolle".
  • CTA- und COM-Segmente des Absenders entfallen: Die UTILMD MIG Strom S2.2 streicht mit Änderungs-ID 27021 das CTA-Segment „Ansprechpartner" und das COM-Segment „Kommunikationsverbindung" aus SG2 und SG3, die MSCONS MIG 2.5 mit Änderungs-ID 26111 die Kontaktinformationen unter der MP-ID des Absenders. Grundlage ist das konsultierte Konzept zur Nutzung der Senderkontaktdaten. Maßgeblich ist künftig der gepflegte Eintrag in der Codenummerndatenbank.
  • Befristete EBD-Codes A90, A96 und A99 werden um ein halbes Jahr verlängert, die Nutzungsmöglichkeit endet damit am 01.04.2027 um 00:00 Uhr.
  • Umzug der API-Dokumentation von Swagger auf GitHub als Schritt in Richtung des API-basierten Zielmodells.
  • Aufteilung des MaLo-ID-Services in mehrere fachlich getrennte API-Webdienste, um Anfrage- und Antwortlogik zu entkoppeln.

Wichtig für die Planung: Die beiden letzten Punkte betreffen die API-Webdienste. Die im Release 2.0.0 konsultierten Anpassungen sind nicht Bestandteil von Mitteilung Nr. 56, sie stehen als „API-Webdienste Strom Release 2.0.0" in der Konsultation zum 01.04.2027. Pauschal „keine API-Arbeit im Oktober" stimmt deshalb nicht: Die API Guideline 1.0b ist sehr wohl Teil von Mitteilung Nr. 56 und ab dem 01.10.2026 verbindlich. Zum Stichtag umzusetzen sind die EDIFACT-Formate, die Entscheidungsbaum-Diagramme, die Codelisten und der Übertragungsweg.

Umsetzung in SAP: die Checkliste, rückwärts geplant

Ein Formatwechsel heißt in SAP-IS-U-Landschaften typischerweise: Format- und Mapping-Updates einspielen (über IDEX beziehungsweise Common Layer oder das B2B-Addon des MaKo-Dienstleisters), EBD-Logik aktualisieren, mit Marktpartnern testen, am Stichtag umschalten. Vom 01.10.2026 rückwärts gerechnet:

  1. Scope und Patch-Fahrplan klären. Mitteilung Nr. 56 gegen die eigene Systemlandschaft lesen und beim MaKo-Dienstleister beziehungsweise Hersteller den Liefertermin der Format-Patches abfragen. Ergebnis ist eine Liste betroffener Nachrichtentypen je Marktrolle, nicht eine Liste aller existierenden Formate.
  2. Patches einspielen und Entscheidungsbaum-Diagramme 4.3 nachziehen. Format- und Mapping-Updates ins Entwicklungs- und Testsystem bringen, EBD-Logik aktualisieren, interne Regressionstests über die Kernprozesse fahren.
  3. Interop-Tests mit Marktpartnern. Nachrichtenaustausch mit den wichtigsten Gegenparteien testen und Stammdaten-Sonderfälle prüfen, etwa OBIS-Konstellationen mit den neuen Verwendungszweck-Codes im PIA.
  4. Cutover vorbereiten. Umstellungsdrehbuch mit Zeitpunkten je Nachrichtentyp, Verantwortlichkeiten und einem Rückfallplan, falls einzelne Strecken am Stichtag klemmen. Dazu gehört, die Ausgangsstrecke vor dem Umschalten leerzufahren: Nachrichten, die vorher erzeugt, aber erst danach übertragen werden, gehen im alten Stand hinaus und werden abgelehnt.
  5. 01.10.2026 und Folgetage: umschalten und beobachten. Monitoring der ein- und ausgehenden Nachrichten, Klärfälle priorisiert abarbeiten, fristgebundene Wechselprozesse zuerst. Die ersten Tage entscheiden, ob Rückstände entstehen.

Wenn der Zeitplan bereits eng ist, hilft die Priorisierung im Beitrag Die letzten zwei Wochen vor dem Formatwechsel: Er ordnet, was sich in der Schlussphase realistisch noch umsetzen lässt und was ohne Schaden warten kann.

Konsolidierungs-Release heißt nicht „kann liegen bleiben". Es heißt: Der Aufwand ist planbar, wenn man früh genug plant.

Ausblick: April 2027 ist konsultiert

Das nächste Release ist seit dem 31.07.2026 in der Konsultation: Mitteilung Nr. 57 stellt die Formatstände zur Diskussion, die ab dem 01.04.2027 verbindlich zu verwenden sind. Die Stellungnahmefrist endete am 31.08.2026, der Konsultationstermin fand am 10.09.2026 statt. Zur Konsultation stehen die Allgemeinen Festlegungen 6.1e, UTILMD Strom in AHB und MIG 2.3, die Entscheidungsbaum-Diagramme und Codelisten 4.4, die Anwendungsübersicht der Prüfidentifikatoren 4.1, APERAK AHB 1.1a und MIG 2.2a, CONTRL AHB 1.0a und MIG 2.0c, IFTSTA AHB 2.1a und MIG 2.1a, ORDERS AHB 1.1c, ORDRSP AHB 1.1c, QUOTES AHB 1.2 und MIG 1.4, die API Guideline 1.0c sowie die Regelungen zum Übertragungsweg 1.11 für EDIFACT und 1.3 für API. Dazu kommen die API-Webdienste Strom als Release 2.0.0. Wer die API-Anbindung plant, findet dort den maßgeblichen Stand.

Weiter am Horizont steht der MaBiS-Hub, die geplante zentrale Bilanzierungsplattform der Übertragungsnetzbetreiber. Im Verfahren BK6-24-210 liegt weiterhin keine Festlegung vor (Stand: September 2026); die Bundesnetzagentur nennt als Zielhorizont die Umsetzung spätestens ab dem Jahr 2030, das im Verfahren diskutierte Einführungsszenario sieht den Produktivstart früher vor. Was dahintersteckt, erklärt der Beitrag MaBiS-Hub erklärt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das MaKo-Release zum 01.10.2026 ist final beschlossen (BNetzA-Mitteilung Nr. 56 vom 01.04.2026), ein Konsolidierungs-Release ohne neue Geschäftsprozesse und ohne Übergangsfrist.
  • Verbindlich werden unter anderem: Allgemeine Festlegungen 6.1d, UTILMD Strom AHB 2.2 / MIG S2.2 und Gas AHB 1.2 / MIG G1.2, MSCONS AHB 3.2 / MIG 2.5, ORDERS und ORDRSP je AHB 1.1b / MIG 1.4c, APERAK AHB 1.1 / MIG 2.2, EBD und Codelisten 4.3, Prüfidentifikatoren 4.0, Codeliste der Konfigurationen 1.4, Codeliste der Verwendungszwecke 1.0, API Guideline 1.0b, Übertragungsweg 1.10 mit AS4-Profil 1.2.
  • Inhaltlich: OBIS-Weiterverwendung über die neue Codeliste der Verwendungszwecke 1.0 samt PIA-Umbau, Wegfall der Absender-Kontaktsegmente CTA und COM, Verlängerung der EBD-Codes A90, A96 und A99 bis 01.04.2027.
  • Die API-Themen (GitHub-Umzug, Aufteilung des MaLo-ID-Services) sind nicht Teil von Mitteilung Nr. 56, sie stehen als API-Webdienste Strom Release 2.0.0 in der Konsultation zum 01.04.2027. Die API Guideline 1.0b dagegen gehört zum Oktober-Release.
  • April 2027 ist seit dem 31.07.2026 konsultiert (Mitteilung Nr. 57); der MaBiS-Hub hat weiterhin keine Festlegung.

Häufige Fragen

Ja. Nach der Konsultation (Mitteilung Nr. 55 vom 02.02.2026) hat die Bundesnetzagentur das Release mit Mitteilung Nr. 56 vom 01.04.2026 final beschlossen. Die dort genannten Versionsstände sind ab dem 01.10.2026 von allen zur Umsetzung verpflichteten Marktteilnehmern anzuwenden, eine Übergangsfrist ist nicht vorgesehen.
Die Webdienste selbst nicht. Die im Februar 2026 konsultierten Anpassungen sind mit Mitteilung Nr. 56 nicht veröffentlicht worden, sie stehen als API-Webdienste Strom Release 2.0.0 in der Konsultation zum 01.04.2027 (Mitteilung Nr. 57). Die API Guideline 1.0b dagegen ist Bestandteil von Mitteilung Nr. 56 und ab dem 01.10.2026 verbindlich. Ebenfalls zum Oktober-Stichtag umzusetzen sind die EDIFACT-Formate, die Entscheidungsbaum-Diagramme, die Codelisten und der Übertragungsweg.
Ja, in kleinerem Umfang: Vor allem MSCONS (AHB 3.2 / MIG 2.5), UTILTS AHB 1.1 und die ORDERS- und ORDRSP-Familie betreffen den Messstellenbetrieb. Wer einen MaKo-Dienstleister nutzt, klärt dessen Patch- und Testfahrplan; die Interop-Fähigkeit zum Stichtag bleibt trotzdem eigene Verantwortung.
Zum 01.04.2027. Die Konsultation läuft seit Mitteilung Nr. 57 vom 31.07.2026, die Stellungnahmefrist endete am 31.08.2026 und der Konsultationstermin fand am 10.09.2026 statt. Größere Umbauten wie der MaBiS-Hub folgen später; dort liegt noch keine Festlegung vor.

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