SAP IS-U bringt ein eigenes Modul für das Energiedatenmanagement mit. Es verwaltet Lastgänge und Zeitreihen, bildet Ersatzwerte und versorgt die Abrechnung leistungsgemessener Kunden mit belastbaren Energiemengen. Dieser Beitrag zeigt, wie Profilverwaltung und RTP-Abrechnung technisch funktionieren, wie das Zusammenspiel mit externen EDM-Systemen aussieht und wo die Grenzen des SAP-EDM liegen.
Wo das EDM im System sitzt
Das EDM-Modul steht in SAP IS-U zwischen Messung und Abrechnung. Auf der einen Seite kommen Messwerte an, klassisch als MSCONS-Nachricht aus der Marktkommunikation oder per IDoc aus vorgelagerten Systemen. Auf der anderen Seite erwartet die Verbrauchsabrechnung diskrete, geprüfte Energiemengen pro Abrechnungszeitraum.
Dazwischen liegt die eigentliche Arbeit: Zeitreihen speichern und versionieren, Lücken erkennen, Ersatzwerte bilden, Werte plausibilisieren und sie in einer Form bereitstellen, mit der Tarif und Bilanzierung rechnen können. Die Qualität an dieser Stelle entscheidet unmittelbar über die Korrektheit der Rechnung und der MaBiS-Aggregate.
Profilverwaltung: das Herzstück
Zentrales Objekt des SAP-EDM ist das Profil. Ein Profil besteht aus einem Profilkopf mit den Metadaten (unter anderem Rasterung, Einheit, Profiltyp) und den zugehörigen Profilwerten, also der eigentlichen Zeitreihe; technisch liegen sie in den Tabellen EPROFHEAD und EPROFVAL. Die übliche Rasterung ist die Viertelstunde im Strom und die Stunde im Gas.
SAP unterscheidet mehrere Profilarten, die in der Praxis nebeneinander existieren:
- Gemessene Lastgangprofile: die Viertelstundenwerte leistungsgemessener Kunden (RLM), Grundlage der Abrechnung und Bilanzierung.
- Synthetische Profile: Standardlastprofile, mit denen der Verbrauch nicht leistungsgemessener Kunden zeitlich verteilt wird (siehe RLM vs. SLP).
- Formelprofile: berechnete Zeitreihen, die per Formel aus anderen Profilen entstehen, etwa Summen-, Differenz- oder Verlustprofile.
Jeder einzelne Profilwert trägt einen Status, der dokumentiert, ob er gemessen, ersetzt oder manuell korrigiert wurde. Zusammen mit der Versionierung bleibt so nachvollziehbar, mit welchem Datenstand eine Rechnung oder eine Bilanzierungsmeldung erzeugt wurde. Genau diese Nachvollziehbarkeit wird bei Reklamationen und Prüfungen zum entscheidenden Werkzeug.
Von der Zeitreihe zur Rechnung: die RTP-Abrechnung
Die Verbrauchsabrechnung in SAP IS-U rechnet nicht direkt auf Viertelstundenwerten. Die Brücke bildet die RTP-Schnittstelle (Real Time Pricing, angelegt über Transaktion EEDM_RTP01): Sie verdichtet die Zeitreihen eines Abrechnungszeitraums per Formel zu diskreten Ergebniswerten, etwa Arbeit je Zeitzone, Leistungsspitze oder zeitvariabel bewertete Mengen. Diese Ergebnisse übergibt sie an die Tarifierung, wo sie wie normale Zählwerte weiterverarbeitet werden.
Damit lassen sich auch komplexe Preismodelle abbilden: Hoch- und Niedertarifzerlegung, Spitzenlastpreise oder zeitvariable Tarife, bei denen jede Viertelstunde anders bewertet wird. Mit dynamischen Stromtarifen nach §41a EnWG bekommt dieser Mechanismus gerade neues Gewicht, denn dort wird die bepreiste Viertelstunde zum Regelfall statt zur Ausnahme.
Schnittstellen zu externen EDM-Systemen
In vielen Versorgungsunternehmen ist das SAP-EDM nicht allein. Daneben läuft ein spezialisiertes EDM-System, häufig BelVis, das Prognose, Portfolio- und Fahrplanprozesse übernimmt. Dann stellt sich die Architekturfrage: Welches System führt welche Zeitreihe?
Ein bewährtes Muster: Das externe EDM ist führend für Prognose, Handel und Bilanzkreisbewirtschaftung, das SAP-EDM für alles, was in Abrechnung und Marktkommunikation mündet. Der Austausch läuft über IDoc- und BAPI-Schnittstellen oder eine Integrationsplattform. Kritisch wird es, wenn dieselbe Zeitreihe in beiden Systemen gepflegt wird: Ohne klare Führungssystem-Regel pro Zeitreihenart entstehen Abweichungen, die erst in der Bilanzkreisabrechnung oder im Clearing auffallen.
Was das SAP-EDM kann und was nicht
| Aufgabe | SAP-EDM (IS-U) | Externes EDM (z. B. BelVis) |
|---|---|---|
| Zeitreihenhaltung für Abrechnung | Kernfunktion, voll integriert in Tarif und Faktura | möglich, aber ohne direkte Tarifintegration |
| RTP-/zeitvariable Abrechnung | über RTP-Schnittstelle nativ | liefert allenfalls Eingangsdaten zu |
| Ersatzwertbildung, Plausibilisierung | vorhanden, regelbasiert | vorhanden, meist komfortabler und feiner steuerbar |
| Prognose und Hochrechnung | rudimentär | Kernfunktion |
| Portfolio- und Fahrplanmanagement | nicht abgedeckt | Kernfunktion |
| Visualisierung und Analyse | funktional, wenig komfortabel | Stärke der Spezialsysteme |
Die Grenzen des SAP-EDM sind damit weniger eine Frage der Datenhaltung als der Prozesse darüber: Prognosegüte, Handelsanbindung, komfortable Analyse. Umgekehrt gilt: Wer nur abrechnen und bilanzieren muss, kommt oft ohne Zweitsystem aus. Die Entscheidung sollte an den Prozessen hängen, nicht an Gewohnheiten.
Warum das Thema jetzt größer wird
Mit dem Smart-Meter-Rollout wächst die Zahl der Zählpunkte mit Viertelstundenwerten um Größenordnungen, und die Bilanzierung bewegt sich in Richtung viertelstundenscharfer Verarbeitung auch für heutige SLP-Kunden. Für das EDM heißt das: mehr Zeitreihen, mehr Ersatzwertfälle, mehr Automatisierungsdruck. Spätestens bei der Migration auf SAP S/4HANA Utilities gehören Profilstruktur, RTP-Schnittstellen und Altdatenbestände deshalb auf den Prüfstand: Wer Jahre an Profilwerten ungefiltert mitnimmt, migriert auch jede Altlast mit.
Häufige Fragen
Das Wichtigste in Kürze
- Das SAP-EDM verwaltet Zeitreihen als Profile (Profilkopf + Profilwerte, Tabellen EPROFHEAD/EPROFVAL) mit Status und Versionierung.
- Die RTP-Schnittstelle verdichtet Viertelstundenwerte zu Abrechnungsgrößen und macht zeitvariable Tarife in der IS-U-Abrechnung möglich.
- Gegenüber Spezialsystemen fehlen Prognose, Portfolio- und Fahrplanmanagement; dort ergänzt ein externes EDM wie BelVis.
- Bei zwei EDM-Systemen braucht jede Zeitreihenart ein eindeutiges Führungssystem, sonst driften Abrechnung und Bilanzierung auseinander.
- Smart-Meter-Rollout und viertelstundenscharfe Bilanzierung vervielfachen das Datenvolumen; vor der S/4HANA-Migration gehört das EDM auf den Prüfstand.